Dieses Gedicht hat meine Mutter, Lotte Kiesel vor Jahren über ihre ersten Erfahrungen mit dem Computer geschrieben und es ist ihr - finden wir - einfach so gut gelungen,dass wir es hier "veröffentlichen".

Mein kleiner Computer von Lotte Kiesel

Was mir mit 78 Jahren so passiert:
unser Sohn hat einen Computer ausrangiert,
zuerst war mir die Sache nicht geheuer -
doch lockt vielleicht ein Abenteuer?

Der Schwiegersohn, der Enkel und der Sohn,
alle halfen sie mir schon.
So setzte ich mich schließlich ran
und fing frech zu tippen an.

Oben im Computer steht,
was alles so zu machen geht,
das grenzt beinah an Zauberei:
mache ich ihn auch nicht entzwei?

Die Einfügemarke, die steht stramm,
Sinn und Wort holt sie zusamm,
vier kleine Pfeilchen rauf und runter,
nach rechts nach links entsorgen munter.

Der Cursor, der kann auch markieren
und eifrig wieder weg radieren,
doch mit einem Mal, oh Schreck,
mein ganzes bisschen Text ist weg!

Als ob er sich vor mir erschrecke,
saust der Cursor in eine Ecke,
mühsam holt die kleine Maus
ihn aus seiner Ecke raus.

Ich brauche mich nicht zu genieren,
man kann hier einfach drüber schmieren,
mit dem Entferner flott gedruckt,
was zu viel ist wird verschluckt.

Was ist denn nun schon wieder los?

Plötzlich ist die Schrift ganz groß,

auf welcher von den vielen Tasten,
ließ ich meine Finger rasten?

"Wie oft erklärte ich das schon?",
sagt geduldig unser Schwiegersohn,
wann kriege ich das endlich hin,
wo ich doch so vergesslich bin?.

Doch nun hab ich die Nase voll
und was ich morgen machen soll? -
Ich pflege meinen neuen Tick:
Lotte Kiesel aus Zehdenick.