Dieses Buch hatte ich mir schon im vorigen Jahr gekauft, war bisher aber nicht dazu gekommen, es zu lesen. Hier ein Ausschnitt aus einer guten, meiner Meinung nach sehr zutreffenden Rezension der F.A.Z. dazu.

"Das Buch brilliert mit einer Fülle von Fakten, die einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Grad der Ungleichheit in entwickelten Ländern und vielen sozialen Problemen, wie Lebenserwartung, psychischen Erkrankungen und Drogenkonsum, Gewalt und Verbrechen, Fettleibigkeit, schulischen Problemen und Bildungsniveau und Mädchen als Mütter nach weist. Und so deutlich habe ich es bisher selten gelesen, wie z.B. in den USA die soziale Ungleichheit in den letzten Jahren zu genommen hat und unter welchen Bedingungen in den einzelnen Ländern was zum Abbau der sozialen Ungleichheit getan wurde. Deshalb ist dieses Buch, für alle, die sich etwas intensiver mit diesen Fragen beschäftigen zweifelsfrei ein Gewinn."

Aber ganz hat das Buch meine Erwartungen nicht erfüllt, vielleicht waren sie zu hoch?

Den Optimismus der Autoren, dass wir (als Menschheit) die Zusammenhänge jetzt kennen und damit besser aktiv gegen die Ursachen dieser Probleme angehen können, teile ich so nicht ganz, obwohl ich es sehr notwendig und sinnvoll finde, größere Aktivitäten in diese Richtung zu entwickeln. Man kann einerseits nicht oft genug darauf verweisen, dass ein statistischer Zusammenhang kein funktionaler ist und andererseits sind Gleichheit, Gerechtigkeit und Glück keine objektiven Kategorien. Mir erscheint es eine Illusion (oder Utopie) zu sein, z.B. eine gerechte Gesellschaft gestalten zu können. Meiner Überzeugung nach kann es keine Gleichheit oder Gerechtigkeit für alle als gesellschaftliches Ziel geben, dazu ist die Natur der individuellen Ausprägung der einzelnen Menschen zu vielfältig. Das verstärkte Streben danach oder die Forderung danach ist wohl eher immer ein populistischer Ausdruck vom existierenden Gegenteil. Auch Chancengleichheit als gesellschaftliche Kategorie halte ich für eine Illusion. Richtiger wäre es - meiner Auffassung nach - von einer sozial ausgewogenen oder einer Gesellschaft in sozialer Balance zu sprechen und sich als gesellschaftlichen Konsens darüber zu verständigen, was darunter inhaltlich zu verstehen ist. Der sachlich richtige Begriff ist wahrscheinlich Fairness. Fairness vermittelt nichts Objektives, man muss sich immer darüber verständigen, was fair ist. Hier liegt meiner Überzeugung nach auch eine Hauptursache der Politikverdrossenheit, dass diese inhaltlichen Diskussionen, wo wir mit unserer Gesellschaft eigentlich hin wollen in unseren aktuellen Demokratien zu wenig geführt werden. Der Begriff Gleichheit hat oft den faden Beigeschmack von Gleichmacherei und es darf nie vergessen werden, dass die Vielfalt die Mutter des Fortschritts ist und eine zu starke, bewusste Einschränkung der Vielfalt auch immer eine Beschränkung der Möglichkeiten, des Fortschritts und auch der Demokratie und der Freiheit bedeutet.