Dass ich nach längerer Zeit mal wieder einen Beitrag über eine unserer Bergtouren "veröffentliche", hat mehrere Gründe. Zum Einen war es eine außergewöhnlich schöne Bergtour ins Unterengadin (vgl. auch Engadin und Geschichte im Engadin) fast über eine ganze Woche, dann gab es im Zusammenhang mit dieser Tour 2 Jubiläen und schließlich wollte ich mir auch die Verfahren, die hinter solch einer Web-Präsenz stehen, mal wieder ins Gedächtnis rufen, weil meine Aktivitäten im Web mit Joomla! insgesamt etwas nachgelassen haben.

Die beiden Jubiläen sind schnell beschrieben, unsere erste Ferragosto-Tour mit Gabi G., Gerda und Martin fand im Jahre 1994 statt (Gerda, Gabi G. und Martin waren auch früher schon gemeinsam unterwegs) und so konnten wir in diesem Jahr unser 20-jähriges Jubiläum feiern, auch wenn es nicht jedes Jahr eine Ferragosto-Tour gab und sich die Bedeutung dieses Begriffes für uns gewandelt hat. Ursprünglich, als wir alle noch voll berufstätig waren, fand diese mehrtägige Bergtour um Maria Himmelfahrt statt (Ferragosto ist der Name für Maria Himmelfahrt im Italienischen), inzwischen steht er nur noch für eine mehrtägige Bergtour. Auch waren die Teilnehmer im Laufe der Jahre nicht immer die gleichen, aber in diesem Jahr waren wir wieder genau diese 5.

Das 2. Jubiläum ist ein technisches, was mit unserer Web-Site zusammen hängt. Den Durchbruch der heutigen Internet-Nutzung brachte sehr schnell der inzwischen schon fast in Vergessenheit geratene Browser Netscape seit Oktober 1994 und er dominierte über mehrere Jahre den Markt. Das ist nun schon wieder 20 Jahre her - oder besser: ... noch nicht einmal!? - Aber zurück zu unserer Bergtour. Eine ausführliche Beschreibung findet man auch hier - Via Engiadina der Wandersite der Schweiz -  so dass ich mich auf wenige unserer Impressionen, Erfahrungen und Eindrücke beschränken kann. Und vor 12 Jahren waren wir schon einmal im Unterengadin auf der anderen Seite vom Inn (oder En).

Ein ganz herzlicher Dank geht wieder an Martin, dem wir die Idee (gemeinsam mit Gabi G.) und vor allem die perfekte Vorbereitung und Organisation verdanken. Es ist sehr schön, wenn man sich weitgehend nur um sich selbst zu kümmern braucht. In den 7 Tagen haben wir ca. 120 km von Vinadi bis Bever zurückgelegt und haben dabei ca. 5.000 Höhenmeter (jeweils hoch und runter) bewältigt. Dabei bewegten wir uns überwiegend zwischen 1.500 und 2.200 m. Insgesamt war eine Bilderflut von über 400 Bildern zu verarbeiten, zu begutachten und zu entscheiden, welche davon ich hier wie einbaue. Natürlich ist diese Auswahl sehr individuell und subjektiv, also ich bitte um Nachsicht, falls jemand meint, ich hätte eine andere Auswahl treffen sollen. Für die Fotogalerie habe ich 138 Bilder ausgewählt, hier im Text findet sich immer nur ein Bild pro Absatz. Durch Klick auf die Bilder gelangt man auch zur Fotogalerie oder über das Menü links.

Ich habe diese Beschreibung und die Bilder so gegliedert, dass ich zuerst uns 5 ganz kurz vorstelle, dann die einzelnen Tage etwas Revue passieren lasse und dann gehe ich noch zusätzlich auf 2 Besonderheiten dieser Tour ein, die sehr schöne Natur, die wir mit den tollen Sommerbergwiesen mit den vielen Blumen selten mit dieser Intensität erlebten und die sehr individuelle Kultur dieser Gegend, die man in der wunderschönen Architektur der kleinen Orte des Engadins erleben kann.

Wir 5

Gabi, Gerda, Gabi G., Martin, PeterWir 5, das sind Gabi (meine Frau), Gerda, Gabi G., Martin und ich (Peter). Bis auf Gabi G. hatten wir alle unsere berufliche Tätigkeit bereits hinter uns und haben demgemäß als Rentner (fast) niemals Zeit. Die Zeit für diese wunderschöne Woche haben wir uns aber doch genommen.

Sonntag, 22. Juni  - Von München nach Vinadi und von dort nach Tschlin

Die Fahrt von München dauerte gut 2 Stunden und in Vinadi gleich hinter der Grenze zur Schweiz hatten wir auch schnell einen guten Parkplatz für unser Auto gefunden undSommerbergwiese so konnten wir starten. Schnell fanden wir die Via Engiadina und sie hat uns dann diese Woche nicht mehr los gelassen. Wir gewannen an Höhe und waren zufrieden, wieder in den Bergen unterwegs zu sein. Als sich der Wald öffnete und wir die prächtigen Sommerwiesen sahen, waren wir überwältigt. So schöne Sommerwiesen und diese Vielfalt haben wir selten genießen können. Und wir hatten Zeit, brauchten nicht zu hetzen und auch das Wetter freute sich mit uns, so dass wir schon ins Schwitzen kamen. Am Nachmittag näherten wir uns auf einer Almwiese einer großen Kuhherde und plötzlich begannen sie sich in unsere Richtung zu bewegen und sie wurden immer schneller. Wahrscheinlich haben sie unseren salzigen Schweißgeruch gewittert und wollten uns nur abschlecken, aber darauf hatten wir nicht wirklich Lust und waren froh, des Gatter gerade noch rechtzeitig hinter uns schließen zu können, ehe uns die erste Kuh erreicht hatte. Dann dauerte es nicht mehr lange und wir sahen die ersten Häuser von Tschlin, unserem ersten Tagesziel. Bei unseren früheren Touren übernachteten wir fast immer in Hütten, in diesem Jahr waren mehrere Hotels darunter, heute war es Hotel Macun (Steinbock) und so war der Komfort, den wir geboten bekamen für eine Alpenwanderung schon etwas ungewöhnlich, aber sehr angenehm. Nach dem guten Abendbrot unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch das Dorf, schauten uns die interessante Dorfkirche an und ließen den Abend ausklingen.

 Montag, 23. Juni - Von Tschlin nach Sent

InntalDer 2. Tag war insofern ungewöhnlich, dass wir bereits nach der Hälfte des Weges wieder in einem kleinen Ort ankamen, in Vna und ihn uns natürlich etwas genauer ansahen. Die Orte fanden wir toll, es waren teilweise sehr kleine Dörfer, aber die Häuser waren sehr vielfältig und geschmackvoll bemalt, hatten eine eigene Architektur, zeugten von einem gewissen Reichtum dieser Region und man hatte bei fast allen Häusern dass Gefühl, dass es städtische Hauser und keine dörflichen sind. Unser Quartier in der Pensiun Plaz in Sent war für eine Bergtour wieder sehr komfortabel.

Dienstag, 24. Juni - Von Sent nach Scoul

Ueber den WolkenAm 3. Tag wurde das Wetter etwas schlechter und Martin und ich hatten uns sogar verleiten lassen, mal kurz die Regencapes anzuziehen, aber es war zum Glück falscher Alarm. Die Regenwolken hingen teilweise tief und so gab es ungewöhnliche Blicke. Martin hatte die Tour so geplant, dass wir mit der Bergbahn nach Scoul ins Tal fuhren, die 900 Höhenmeter runter hätten wir nur sehr ungern gemacht. Aber ehe wir runter fuhren, kehrten wir noch in die Wirtschaft ein, waren fast die einzigen Gäste und hatten Glück, denn während unserer Pause regnete es, danach schien wieder die Sonne. Interessant war, dass es keine Bergbahnkarte von oben nach unten und wieder hoch gab, sondern nur umgekehrt. Das Personal wusste sich aber zu helfen und meinte: "Dann fahrt Ihr jetzt einfach runter und bezahlt unten". In Scoul schliefen wir in einer Jugendherberge, aber auch hier waren wir überrascht, wie gut es uns in dieser Jugendherberge gefallen hat.

Mittwoch, 25. Juni - Von Scoul nach Ardez

Blick auf ArdezAm Morgen ging es wieder hoch nach Motta Naluns mit der Bergbahn und Martin hatte sich vorgenommen, noch einen kleinen Abstecher auf den Piz Cluenas (2.793 m) zu machen. Er fand aber keinen Begleiter, denn Du, Gabi, die gern auch für solche Extratouren zu begeistern ist, hattest Dir eine Blase zu gezogen, weswegen Du zufrieden warst, die normale Tour zu schaffen. Auch Gabi G. hatte sich bereits eine Blase gelaufen und am Schluss der Tour klagte sogar auch Martin über eine Blase. Sehr gut gefiel uns die Alp Laret. Als wir uns am Nachmittag schon Ardez näherten und einen schönen Blick auf Ardez hatten, machten wir noch eine längere Pause, weil es einfach so schön war, die herrliche Natur zu genießen und plötzlich kam auch Martin und hatte uns wieder eingeholt. Schließlich sind wir dann wieder gemeinsam das letzte Stück nach Ardez gelaufen und waren am Abend froh, als wir wieder unser tolles Quartier, Schortas Alvetern, gefunden hatten. Gerda und Martin nutzten den Spätnachmittag, um noch auf die Burgruine_Steinsberg zu steigen und die herrliche Rundsicht zu genießen. Am Abend konnten wir sogar draußen sitzen, es war ein milder Abend.

Donnerstag, 26. Juni - Von Ardez nach Zernez

AlpenpanoramaMartin hatte auf seinem Smartphone Osmand (Open Street Map for Android) so installiert, dass die benötigten Karten offline gespeichert sind und so konnte er gut kontrollieren, ob wir uns auf dem richtigen Wege befinden. Beim Start in Ardez haben wir wohl den richtigen Weg verpasst, denn plötzlich sagte Martin: "Wir sind zu tief, unser richtiger Weg verläuft etwas höher". Umkehren, bzw. zurück wollten wir nicht, so gingen wir querfeldein durch die traumhaften Sommerwiesen, die aber am Morgen noch etwas nass waren und wir entdeckten dabei eine Blume, die uns bisher so noch nicht aufgefallen war. Die Tagestour zog sich hin und eigentlich wollten wir alle über die Alp d'Immez nach Lavin, um dann von dort mit der Rhätischen Bahn (Wikipedia) nach Zernez (Wikipedia) zu fahren. Unterwegs wurde dies aber uns dreien, Gerda, Gabi G. und mir zu viel und wir entschlossen uns, eine Abkürzung nach Lavin zu nehmen. Das gefiel uns, denn als wir in Lavin waren, bekamen wir in einem gerade neu eröffneten Restaurant einen tollen Kaffee und Gabi G. meinte kurz davor: "Ich gehe jetzt keine 10 Schritte mehr". Diesen Kaffeegenuss hatten nur wir 3, Gabi und Martin hatten sich entschieden, nicht die kürzere Tour nach Lavin zu machen, sondern den geplanten Weg vollständig über die Alp d'Immez zu gehen. Wir hatten uns so verabredet, dass wir uns erst im Restaurant in Zernez im Hotel Baer&Post treffen wollten. Das Hotel war auch sehr gut, aber wir hatten ein Wanderquartier, was völlig unseren Bedarf entsprach. Im Ort war etwas Trubel, das Burning-Mountain-Festival war in Vorbereitung (Höhepunkt: 28. Juni - Videos dazu gibt es bei YouTube). Wir hatten aber keine Lust, uns das mal anzuschauen, denn wir wollten doch das Fußball-Weltmeisterschaftsspiel USA-Deutschland sehen, was auch gut funktionierte. Und als das Spiel fast vorbei war, kamen auch Gabi und Martin und wir konnten den Tag gemeinsam ausklingen lassen. (Den Link zu YouTube bekam ich von Martin und nachdem ich mir mal einige der Videos angesehen habe, bin ich zu dem Ergebnis gelangt, ich habe nichts wirklich versäumt, dass ich dies nicht gesehen und gehört habe - Techno ist wohl "nicht mein Ding"!)

Freitag, 27. Juni - Von Zernez nach Zouz

Schottische HochlandrinderÜber den vorletzten Tag ist schnell erzählt, die Tagestour zog sich etwas in die Länge, denn wir mussten am Nachmittag nochmals einen etwas längeren Anstieg - weitgehend auf einer Forststraße - bewältigen, aber der Blick über die dann folgende Almwanderung wieder durch herrliche Sommerblumen und die Berge mit dem Inntal vor Augen entschädigte uns. Davor waren wir noch einer Herde schottischer Hochlandrinder mit einigen Jungkühen begegnet und man soll sich ja vorsehen, wenn man zu sehr in die Nähe von Jungtieren kommt, denn die Mütter können dies als einen Angriff interpretieren. Aber es waren friedliche, einfach sehr schöne Tiere. Übernachtet haben wir im Schülerwohnheim Convict und vor dem Abendbrot noch einen Spaziergang durch Zouz unternommen.

Samstag, 28. Juni - Von Zouz nach Bever und zurück nach München

AlpenpanoramaDies war unsere kürzeste Tagestour, mussten wir doch noch mit der Bahn und dem Bus die ganze Strecke, die wir bewältigt hatten, zurück und dann auch noch zurück nach München. So haben wir an Bever selbst nur wenige Erinnerungen, nur den kleinen Engadin Airport konnten wir sehen, als wir noch auf der Höhe waren. Und auch einen schönen Blick hatten wir auf La Punt-Chamues-Ch. Als wir mit der Bahn zurück durchs Engadin fuhren und die Tage nochmals im Schnelldurchgang Revue passieren lassen konnten, wurde mir die Schönheit dieser Tage so richtig bewusst und ich hätte nichts dagegen gehabt, noch einige Tage länger dort zu verbringen, um die vielen, schönen Eindrücke noch zu vertiefen, so gut hat es mir gefallen. Der Anschluss von der Bahn zum Bus passte perfekt und unser Auto stand auch wohlbehalten auf seinem Platz. So ging es über Garmisch-Partenkirchen zurück nach München und im Renzo in Partenkirchen haben wir dann die Tour bei einem guten Abendbrot ausklingen lassen. Auf ein abschließendes Bad in einem der schönen Voralpenseen haben wir dann doch verzichtet.

Natur pur

Blumen ohne NamenEinige der schönsten Bilder der Natur, vor allem der vielen Blumen, habe ich hier noch in die Fotogalerie integriert. Gabi G. ist von erlerntem Beruf Biologin und sie hat es übernommen, die uns unbekannten oder diejenigen Blumen, bei denen wir unsicher waren, im Nachhinein zu bestimmen. Dafür ganz herzlichen Dank (auch an Heinz, der dabei geholfen hat). Dabei gab es 2 Überraschungen, wir hatten uns solche Mühe gegeben, die Küchenschelle und die Kuhschelle auseinander zu halten, dabei ist dies ein und der selbe Name für die gleiche Pflanze und wir haben wahrscheinlich gar keine gesehen, denn die, die wir dafür hielten, waren die Schwefel-Annemonen. Und bisher kannte ich die Schusternagerl nur unter diesem Namen, aber sie heißen richtig Frühlingsenzian und es gibt noch eine Fülle weiterer Namen dafür, z.B.: Rauchfangkehrer, Himmelsbläueli, Herrgottsliechtli, Tintabluoma oder Himmelsstengel. So kann man sich auch gut mit einer Bergtour auch dann noch beschäftigen, wenn sie schon längst vorbei ist. Der biologische Höhepunkt war zweifelllos der Frauenschuh, aber hier integriert habe ich das Foto von den Traubigen Graslilien, die wir entdeckt haben, als wir querfeldein über die Sommerwiesen mussten, um wieder unseren Weg zu finden. 

Wunderschöne Bergorte

Specht hackt FensterAbschließend in der Fotogalerie noch einige Fotos von den wunderschönen Orten. Wir konnten uns nicht entscheiden, welchem Ort wir das Prädikat "Schönster Ort" verleihen sollten und als wir danach fragten, stellten wir fest, dass dies auch den Einheimischen sehr schwer fällt (nach der Zahl der Bilder, die ich ausgewählt habe, müsste es eigentlich Ardez sein.) Besonders gut gefallen hat mir ein kleines Detail, weshalb ich dieses Bild ausgewählt habe, es hier zu präsentieren. Es ist ein echtes Fenster, nur der Specht ist aufgemalt und er hackt im Mauerwerk. Der Künster hatte Sinn für Humor!

Bleibt uns nur nochmals "Danke" zu sagen und uns auf die nächste, schöne Bergtour zu freuen.